PRO ALTSTADT e.V.

Frankfurt am Main

Zur Geschichte der Frankfurter Altstadt

Bis zu seiner Zerstörung im Jahr 1944 besaß Frankfurt eine der bedeutendsten Fachwerkstädte Deutschlands. Insbesondere das Gebiet im Kernbereich zwischen Kaiserdom und dem Rathaus Römer erhielt sich in seinen Verläufen und Ausmaßen nahezu vollständig aus dem Spätmittelalter heraus und stellte somit auch bei der Profanbebauung eine andauernde Verbindung zu der Zeit Frankfurts als Mittelpunkt der damaligen christlichen Welt. Ab 1920 war das Areal umfassend saniert worden.

Das dies alles nur wenig bekannt ist, liegt wohl mit daran, dass zum einen viele der Häuser unter Verputz lagen und somit den meisten nicht als Fachwerkbau erkennbar ist. Zum anderen ist nach über 60 Jahren der Neubebauung und vor allen der Neuordnung der Verkehrswege nur noch für die wenigsten eine mittelalterliche Struktur überhaupt erahnbar. So lassen sich nur nach anhand weniger Überbleibsel gerade im hier interessanten Bereich zwischen Dom und Römer diese Geschichte erkennen (spätgotischer Durchgang zur Braubachstraße überbaut Anfang 20. Jahrhundert und eingerahmt von Nachkriegsbebauung).
Die Sehnsucht nach diesem Stück Heimat und Kontinuität in unserer Stadt ist aber gerade auch bei jüngeren Jahrgängen verstärkt bemerkbar.

Frankfurt am Main wurde erstmals am 22. Februar 794 in einer Urkunde Karls des Großen für das Regensburger Kloster St. Emmeram erwähnt. In dem Dokument heißt es: "...actum super fluvium Moin in loco nuncupante Franconofurd" - "gegeben (ausgestellt) am Flusse Main in einem Orte, genannt Frankfurt."

Eine kontinuierliche Besiedlung des Domhügels ist allerdings schon seit jungsteinzeitlicher Zeit nachgewiesen. Archäologische Funde zeugen davon, dass sich schon vor ca. 200.000 Jahren die ersten steinzeitlichen Jäger und Sammler in dieser Region aufhielten. Größere Siedlungen südosteuropäischer Völker, die sich als Acker- und Viehbauern am Main niederließen, entstanden erst vor ca. 7.000 Jahren.
Mit den Feldzügen der Römer fiel auch das Gebiet Main-Hessen in den Jahren um Christi Geburt für fast drei Jahrhunderte in römische Hand. Durch die Römer entstanden der Limeswall, die Saalburg und die altrömische Stadt Nida, deren Standort im heutigen Frankfurt-Heddernheim liegt. Am Römerberg selbst entstand in der Folge ein römisches Militärlager.
Im 4. Jahrhundert nach Chr. kamen im Zuge der germanischen Völkerwanderung die Alemannen und später im 6. Jahrhundert die Franken in den Frankfurter Raum. Dieser entwickelte sich immer mehr zu einem Machtzentrum der Merowinger, dem Königshaus der Franken. An der Stelle des heutigen Domes wurde gegen 700 n. Chr. eine Steinkirche und vor allem jene Königspfalz errichtet, in der Karl der Große im Jahre 794 anlässlich einer Reichsversammlung eine Urkunde unterzeichnete "an dem bekannten Ort namens Franconofurd".
Im 9. Jahrhundert wurden die Merowinger vom Königshaus der Karoliner verdrängt. Damit begann eine intensive Ansiedelung auf dem heutigen Römerberg und dem Umland. Die Königspfalz und die Kirche wurden vergrößert. Die meisten der Frankfurter Stadtteile, welche mit "heim" enden, entstanden als fränkische Dörfer zu dieser Zeit.
In den folgenden Jahrhunderten blieb Frankfurt Schauplatz von Reichspolitik und Königswahl, auch wenn die Herrschaftsschwerpunkte nun außerhalb des Rhein-Main-Gebiets lagen. Die deutschen Herrscher hielten sich häufig in der Stadt auf. 994 schenkte Otto III. der Salvatorkirche die königlichen Fischereirechte im Main. Frankfurt wurde als "Castellum" bezeichnet und war anscheinend mit Mauern befestigt.
Im 11. Jahrhundert geriet der Ort vorübergehend ins Abseits. Nach einem Brand war die Pfalz für Repräsentationszwecke nicht mehr geeignet. Die salischen Herrscher jedenfalls suchten sie zwischen 1024 und 1125 nur sechsmal auf.
Begünstigt von den Staufern stieg Frankfurt dann um die Mitte des 12. Jahrhunderts zum Wahlort der deutschen Könige auf. Konrad III., der erste Staufer auf dem Thron, ließ 1138 den königlichen Wirtschaftshof an der Südwestecke der Domhügelsiedlung als Ersatz für die verfallene karolingische Pfalz zu einer Burg ausbauen (Saalhof). Diese wurde Teil der städtischen Befestigungsanlage, der Staufenmauer.
Am 4. März 1152 wurde Friedrich I. Barbarossa in Frankfurt zum König gewählt. Das Pfalzgelände wurde weiter ausgebaut, um mit der Stärkung des Reichsguts der dynastischen Territorialentwicklung entgegenzuwirken. Eine Reichsmünzstätte, die Silbermünzen mit dem Bild des Kaisers prägt, ist 1194 nachgewiesen. Das Aufblühen des Handels, später dann des Fernhandels führte zu einem deutlichen Anstieg der Bevölkerung und zu einer zunehmenden Differenzierung des Sozialgefüges. Um 1200 zählte Frankfurt modernen Schätzungen zufolge rund 10.000 Einwohner. Ohne dass es einen formalen Akt der Stadtgründung gegeben hätte, war aus der Siedlung rund um den Dom mittlerweile eine Stadt geworden. Zur Bürgergemeinde gehörten in der Stauferzeit neben den Kaufleuten und Reichsministerialen auch noch die Juden und natürlich die Handwerker. Nahezu 60 Berufe lassen sich im 13. Jahrhundert in Frankfurt nachweisen. Im Hoch- und Spätmittelalter förderten insbesondere Friedrich II., Ludwig der Baier und Karl IV. die weitere Entwicklung der Stadt durch zahlreiche Privilegien.
Die Staufer-Könige, die ab 1138 in Frankfurt residierten, ließen eine neue Pfalz aufbauen, nachdem die alte vorher ausgebrannt war. Später, ca. im Jahre 1220 wurde die erste Stadtmauer errichtet. Obwohl es zu diesem Zeitpunkt noch keine Stadtgründung mit entsprechend ausgewiesenen Stadtrechten gab, wurde erstmals 1140 die Bezeichnung "Stadt" in den Akten erwähnt. Der Aufstieg von Franconofurd zu Macht und Bedeutung für das gesamte Reich war nicht mehr aufzuhalten.
Die Frankfurter Messe wird im Jahre 1227 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Kaiser Friedrich II. privilegierte diese Messe im Jahre 1240, damit war in der Folgezeit ein Aufblühen der Stadt im Grunde gesichert. Danach folgten die Rechte, zusätzlich zur Herbstmesse auch eine Frühjahrsmesse durchzuführen (1330), und auch die Buchmesse wird schon seit 1480 in Frankfurt am Main ausgerichtet.
Zu dieser Entwicklung gehören auch die Ausbildung und Bezeichnung Handels- bzw. Handwerkbezogener Namen. Der Name "Tuchgaden" steht hier exemplarisch. "-Gaden" entstammt dem alt- oder mittelhochdeutschen und bezeichnet Gewölbe, also Gewölbe, in denen Tücher zum Handel dargeboten wurden. Weitere Namen bezeichnet Berufsspezifisch gesammelte Ansiedlungen. So finden wir im Westen des Römerberges die "Schwertfegergasse" oder die "Bendergasse", "Metzgerhöfchen". Andere Namen gehen auf gesellschaftliche Einrichtungen oder Ereignisse zurück wie Markt, Hühnermarkt, Goldhutgasse. Die spezielle Einrichtung der Schirnen (Verkaufsstände, hier auch der Name der Gasse, "Lange Schirn") erlangten durch den Verkauf der "Frankfurter Würstchen" Berühmtheit, weshalb man es auch als sinnvoll erachtete, die vor einigen Jahren neu errichtete Kunsthalle an diesem Ort "Schirn" zu nennen und so diesen Namen zu erhalten. Doch nicht allein die Straßennamen waren mit Bedeutung gefüllt, auch die einzelnen Häuser der Altstadt erhielten individuelle Namen, sie wurden somit beinahe als lebendige "Wesenheiten" mit eigener Persönlichkeit betrachtet.

Diese Jahrhunderte lang gewachsene Altstadt wurde einst als Aushängeschild Frankfurts angesehen. Nach einer Zeit der Verwahrlosung im 19. Jahrhundert kam es deshalb ab den 1920er Jahren zu umfassenden Sanierungsmaßnahmen durch Fried Lübbecke und den „Bund tätiger Altstadtfreunde", so daß die Altstadt in den 30er Jahren ein großenteils frisches, renoviertes Erscheinungsbild aufweisen konnte.

Diese Bemühungen beendete vor allem der schwere britische Bombenangriff vom 22. März 1944. Aus 816 Flugzeugen wurden innerhalb einer knappen Stunde 500 Luftminen, 3.000 schwere Sprengbomben und 1,2 Millionen Brandbomben über dem Stadtkern Frankfurts abgeworfen. Nur Bruchstücke der Altstadt - wie das Haus Wertheym - überstanden den Feuersturm oder wurden in der Nachkriegszeit wiederhergestellt, darunter der Römer, das Leinwandhaus und das Steinerne Haus (heute: Kunstverein).

Nun wird Frankfurt über 60 Jahre nach dessen Zerstörung den Kernbereich seiner mittelalterlichen Altstadt zurückerhalten. Anfang Mai 2007 haben sich die Fraktions- und Parteispitzen der Koalition aus CDU und „Grünen" auf das weitere Vorgehen geeinigt, nachdem es entlang des alten Gassenverlaufs teils zu Rekonstruktionen und teils zu angepasster Neubebauung kommen soll. Wie stark sich letztere am historischen Zustand der Vorkriegszeit anlehnt, wird die Detailarbeit klären müssen. Der Verein "Pro Altstadt" setzt sich für eine weitgehend originalgetreue Rekonstruktion des Areals ein.