PRO ALTSTADT e.V.

Frankfurt am Main

Unvollständige Zusammenfassung der Ereignisse Zur Wiederherstellung der Frankfurter Altstadt seit 2005

Der überdimensionierte Waschbetonbau des Technischen Rathauses wurde Anfang der 1970er Jahre in den Kernbereich der Frankfurter Altstadt gestellt. Das mittlerweile verkommene und mit Asbest verseuchte Gebäude wird voraussichtlich ab 2008 abgerissen. An dessen Stelle tritt der ehemalige Gassenverlauf der Altstadt, also der geschichtlich bedeutende „Krönungsweg" und der Hühnermarkt. Das ist die Entscheidung der verantwortlichen Politiker, die sich 2007 nach einer Fahrt von Stadtverordneten zur wiederaufgebauten Altstadtarealen in Dresden, Nürnberg und Ulm herausgebildet hat. Kleinteilige Parzellen sollen nun die Bebauung in Frankfurt strukturieren, eine strenge Gestaltungssatzung wird wohl Geschosshöhe, Dachneigung und Farbanstrich vorgeben. Die Kosten der Stadt zur baulichen Neugestaltung des Areals werden auf etwa 70 Millionen Euro veranschlagt - unabhängig davon, ob die Neubebauung im historischen oder modernen Stil stattfände. Die Stadt Frankfurt hat zudem angekündigt, als Bauherr von sieben komplett zu rekonstruierenden historischen Gebäuden in Erscheinung treten zu wollen. Unter anderem werden die berühmte „Goldene Waage" gegenüber dem Dom, das „Rote Haus", das „Haus der Tante Melber" und das „Goldene Lämmchen" wiedererstehen. Private Bauherren können nach Erwerb von Parzellen Pläne für weitere Rekonstruktionen auf dem Areal einreichen.

Soweit der derzeitige Stand der Dinge. Dieser ist das Ergebnis einer öffentlichen Diskussion, die sich ab 2005 in der Mainmetropole entfaltete. 2005 wurde ein Neubebauungsentwurf des Architekturbüros KSP - Engel und Zimmermann vom Stadtplanungsamt preisgekrönt. Gegen die drohende Neugestaltung des Altstadtareals durch einige moderne Baublöcke im Stahl- und Glas-Stil kam es rasch zu Widerspruch durch weite Teile der Bevölkerung.

Im September 2005 reichte die Kommunalfraktion der "Freien Wähler BFF" einen Antrag im Stadtparlament ein. Nach diesem sollte im Gegensatz zum Entwurf von KSP eine kleinteilige Bebauung des Areals mit historischer Gassenführung, einigen Leitbau-Rekonstruktionen und angepasster historisierender Architektur vorgenommen werden. Zwar wurde der Antrag vorerst vom Stadtparlament abgelehnt, doch es kam nun zur Mobilisierung in der Bürgerschaft. Der junge Offenbacher Bauingenieur Dominik Mangelmann stellte eine Realisierungsstudie mit Computergraphiken für eine historische Rekonstruktion des Areals vor. Diese beinhaltete Kostenkalkulationen und Anregungen zur Baustellenorganisation. Im März 2006 ergänzte der junge Diplomgeograf Jörg Ott die Graphik durch einen virtuellen Stadtrundgang als 3-D-Modell.
Nach einer stark frequentierten Bürgerdiskussions-Veranstaltung im historischen Museum im September 2005 bildete sich zwei Monate später die Initiative "Pro Altstadt", um dem Protest einen organisatorischen Rahmen zu geben. Bald gesellten sich zahlreiche Unterstützer und Mitstreiter hinzu: Der traditionelle Kulturverein "Freunde Frankfurts", die "Junge Union" (die Unterschriften für ein Bürgerbegehren sammelte), die "Aktionsgemeinschaft archäologischer Garten", der Diplom-Ingenieur Peter Westrup, der Werbemanager Jürgen Aha und viele weitere engagierte Anhänger einer historisch wiederaufgebauten Frankfurter Altstadt.

Zahlreich war und ist unser Engagement. Mitglieder von "Pro Altstadt" beteiligten sich aktiv am, von der Stadt bald als Entscheidungsgremium eingerichteten, "Dom-Römer-Sonderausschuß" im Rahmen der dortigen Bürger-Fragestunde. Sie beteiligten sich zwei mal an der "Planungswerkstatt" unter Aufsicht des Stadtplanungsamtes, bei der in Workshop-Atmosphäre ausgewählte Frankfurter Bürger beratend zusammen fanden. Zahlreich ist auch das Engagement bei vielen Diskussions- und Podiumsveranstaltungen zum Thema. Im Februar 2007 veranstaltete "Pro Altstadt" gemeinsam mit den "Freunden Frankfurts", der "Aktionsgemeinschaft archäologischer Garten" und dem Diplom-Ingenieur Peter Westrup einen großen Infostand auf der Fressgass. "Pro Altstadt"-Mitglieder beteiligten sich auch der Bürgerdiskussion mit dem Architekt Leon Krier, die die "Freunde Frankfurts" im März 2007 in der Alten Oper initiiert hatten. Im Mai 2007 trat die Vereinsvorsitzende Heidrun Christensen als Podiumsdiskutantin im Rahmen des "Stadtgespräches" auf, zu dem die "Frankfurter Rundschau" gemeinsam mit der "Frankfurter Sparkasse" geladen hatte.

Der Druck der Bürgerschaft - nicht zu letzt auch der des Vereines "Pro Altstadt"- brachte die politisch Verantwortlichen in Frankfurt zu einem Mehr an baulichem Geschichtsbewusstsein.
Seit einem Beschluß des Stadtparlaments vom September 2007 steht fest, dass die Stadt nach dem Abriss des Technischen Rathauses sechs bzw. sieben historische Häuser am alten Standort auf eigene Kosten originalgetreu rekonstruieren wird. Für die übrigen Parzellen soll eine Gestaltungssatzung erarbeitet werden, die klare Vorgaben z.B. hinsichtlich Dachneigung, Fassadenmaterialien und Fensterformen macht. Einige Eckpunkte zur Gestaltung wurden bereits festgelegt, allerdings noch als Leitlinien - so zum Beispiel sollen die Erdgeschoße steinern und hochgeschoßig sein, grundsätzlich sollen stehende Fensterformate Verwendung finden, steile Dächer und eine vielfältige Dachlandschaft werden angestrebt. Bauherren müssen zwei Entwürfe vorlegen, die ein Altstadtbeirat prüfen wird. Sollte sich ein Investor zu einer weiteren Rekonstruktion entschließen, so soll diesem Vorrang eingeräumt werden. Der weitere Weg wird deshalb von uns kritisch und aktiv mitverfolgt. Eine Fertigstellung des Areals ist für das Jahr 2013 geplant.
Noch bestehen viele Risiken und Unwägbarkeiten: Die oben genannten und einige weitere Punkte sind begrüßenswert, jedoch noch nicht in einen konkreten Satzungsentwurf seitens der Stadt eingegangen. Deshalb hat der Verein "Pro Altstadt" eine mögliche Gestaltungssatzung für den Dom-Römer -Bereich entworfen. Sie finden diesen hier…

"Pro Altstadt" wird die kommende Entwicklung sehr kritisch beobachten und sich dabei weiterhin für die weitgehende Rekonstruktion der historisch bedeutsamen Frankfurter Altstadt einsetzen. Das sind wir unserem baulichen Erbe und unseren Nachkommen schuldig.